Fake Shops erkennen (#339)
Willkommen zum Tipp der Woche. Jeden Sonntag um 12 Uhr bietet die App „Senioren mit Smartphone“ neue Tipps zu Smartphone und Internet für Senioren und Technikinteressierte.
Vielleicht ist Ihnen das auch schon passiert: Sie schauen bei Facebook, was die Familie so macht – und zwischen den Beiträgen erscheint eine Anzeige. Ein deutscher Traditionsbetrieb muss angeblich schließen, alles zum halben Preis, nur noch heute. Die Seite sieht seriös aus, die Bilder sind schön, es gibt sogar Kundenbewertungen.
Und trotzdem kommt nach der Bezahlung nie ein Paket. Über Fake-Shops habe ich schon mehrfach geschrieben, zuletzt im Wochentipp „Fake-Shops erkenne (#305)“. Heute geht es um etwas Neues: Die Betrüger warten nicht mehr darauf, dass Sie sie finden. Sie kommen zu Ihnen – als Werbung.
Was sich geändert hat
Früher landete man bei einem Fake-Shop, wenn man selbst nach einem Schnäppchen gesucht hat. Heute ist es umgekehrt. Die Verbraucherzentralen melden für 2026 einen Höchststand an Betrug über bezahlte Werbeanzeigen bei Google, Facebook, Instagram und TikTok.
Das ist besonders tückisch, weil die Anzeige mitten in Ihrem gewohnten Umfeld auftaucht – zwischen den Urlaubsbildern Ihrer Nichte und dem Beitrag aus dem Kegelclub. Dort rechnet man einfach nicht mit Betrug.
Dazu kommt: Mit künstlicher Intelligenz lässt sich heute in wenigen Minuten ein kompletter Online-Shop erstellen. Fehlerfreie Texte, schöne Produktbilder, erfundene Kundenstimmen – manchmal sogar kurze Videos, in denen eine bekannte Person das Produkt empfiehlt, ohne je davon gehört zu haben. An Rechtschreibfehlern erkennt man Fake-Shops deshalb nicht mehr zuverlässig.
Woran Sie eine gefährliche Anzeige erkennen
• Zeitdruck: „Nur noch heute“, „Räumungsverkauf“, „Nur noch 3 Stück“ – echte Händler brauchen diesen Druck nicht
• Ein Preis, der zu schön ist: Markenschuhe für 29 Euro gibt es nicht, auch nicht im Schlussverkauf
• Ein Shop-Name, den Sie noch nie gehört haben – oder ein bekannter Name mit einem kleinen Fehler darin
• Keine Seite hinter der Anzeige: Tippen Sie einmal auf den Namen des Absenders. Wurde die Seite erst vor wenigen Wochen erstellt oder hat sie kaum Beiträge, ist höchste Vorsicht geboten
Tipp: Anzeigen sind manchmal schwer von normalen Beiträgen zu unterscheiden. Woran Sie Werbung erkennen, erkläre ich im Wochentipp „Werbung oder Inhalt (#330)“.
Der Ampel-Test: Der Fakeshop-Finder
Es gibt ein kostenloses Werkzeug der Verbraucherzentralen, das Ihnen die Prüfung abnimmt. Es heißt Fakeshop-Finder und hat in diesem Jahr sogar den Deutschen Präventionspreis bekommen. Sie geben einfach die Internetadresse des Shops ein und bekommen eine Ampel angezeigt.
Schritt 1: Halten Sie in der Werbeanzeige den Link etwas länger gedrückt und wählen Sie „Link kopieren“. Alternativ öffnen Sie den Shop und kopieren die Adresse oben aus der Adresszeile.
Schritt 2: Öffnen Sie www.fakeshop-finder.de.
Schritt 3: Tippen Sie in das Eingabefeld, halten Sie den Finger kurz gedrückt und wählen Sie „Einfügen“. Dann auf „Prüfen“ tippen.
Schritt 4: Warten Sie einen Moment auf das Ergebnis. Es gibt drei Farben:
• Grün: Der Shop ist bisher nicht negativ aufgefallen
• Gelb: Unklar – schauen Sie selbst noch einmal genau hin
• Rot: Es gibt deutliche Hinweise auf Betrug. Finger weg
Tipp: Speichern Sie sich die Seite als Lesezeichen, dann müssen Sie beim nächsten Mal nicht suchen. Über 100.000 falsche Shops sind dort bereits erfasst, jeden Monat kommen etwa 1.800 neue dazu.
Sicher bezahlen ist der beste Schutz
Wenn Sie nur eines aus diesem Tipp mitnehmen, dann bitte das: Zahlen Sie bei einem unbekannten Shop niemals per Vorkasse oder Überweisung. Überwiesenes Geld ist meistens unwiederbringlich weg.
Nutzen Sie stattdessen PayPal mit Käuferschutz, Kauf auf Rechnung oder Lastschrift. Bei einer Lastschrift können Sie die Zahlung bis zu acht Wochen lang zurückholen lassen. Wie PayPal funktioniert, erkläre ich im Wochentipp „PayPal (#309)“.
Wichtig: Wenn Sie bei PayPal bezahlen, wählen Sie niemals die Option „An Freunde und Familie senden“. Betrüger bitten oft darum – denn bei dieser Zahlungsart gibt es keinen Käuferschutz.
Es ist schon passiert – was jetzt?
Zuerst: Das ist Ihnen nicht peinlich zu sein. Diese Seiten sind mittlerweile so gut gemacht, dass auch geübte Internetnutzer darauf hereinfallen. Handeln Sie einfach schnell:
1. Rufen Sie sofort Ihre Bank an und fragen Sie, ob die Zahlung noch gestoppt werden kann. Je schneller, desto besser.
2. Melden Sie den Fall beim Zahlungsdienst, also zum Beispiel bei PayPal oder Klarna, und eröffnen Sie dort einen Fall.
3. Erstatten Sie Anzeige. Das geht bequem von zu Hause über die Onlinewache der Polizei Ihres Bundeslandes.
4. Sichern Sie Beweise, bevor die Seite verschwindet: Machen Sie Bildschirmfotos von der Bestellung, der Anzeige und der Bestätigungs-E-Mail. Wie das geht, steht im Wochentipp „Screenshots (#338)“.
5. Ändern Sie Ihr Passwort, falls Sie im Shop ein Kundenkonto angelegt und dort ein Passwort verwendet haben, das Sie auch woanders benutzen.
Kurz zusammengefasst
Betrüger kommen heute über Werbeanzeigen in sozialen Netzwerken zu Ihnen. Lassen Sie sich von Zeitdruck und Traumpreisen nicht locken, prüfen Sie unbekannte Shops mit dem Fakeshop-Finder und zahlen Sie nie per Vorkasse. Und wenn Sie unsicher sind: Fragen Sie lieber einmal jemanden aus der Familie oder schreiben Sie mir. Eine Nachfrage kostet nichts – ein Fake-Shop schnell mehrere hundert Euro.
Echte Schnäppchen finden Sie übrigens auch ohne Werbeanzeigen, zum Beispiel über die im Wochentipp „MyDealz (#333)“ vorgestellte Seite.
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Bis nächste Woche und viel Spaß mit den neuen Möglichkeiten. Der nächste Tipp der Woche erscheint am kommenden Sonntag, den 09.08.2026 um 12 Uhr. Bleiben Sie gesund und mit freundlichen Grüßen Jonah