Ausweis digital ab 2027 (#341)

9. August 2026

Willkommen zum Tipp der Woche. Jeden Sonntag um 12 Uhr bietet die App „Senioren mit Smartphone“ neue Tipps zu Smartphone und Internet für Senioren und Technikinteressierte.

Heute möchte ich Ihnen etwas vorstellen, das in den nächsten Monaten auf uns alle zukommt: den digitalen Ausweis. Personalausweis, Führerschein und andere Nachweise sollen künftig auch auf dem Smartphone stecken – in einer sogenannten digitalen Brieftasche.

Eine Umfrage vom Frühjahr hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland davon noch nie etwas gehört hat. Das ändern wir heute. Ich erkläre Ihnen in Ruhe, was geplant ist, wann es losgeht – und warum Sie sich keine Sorgen machen müssen.

Was ist eine „digitale Brieftasche“?

Denken Sie an Ihren Geldbeutel. Darin stecken Personalausweis, Führerschein, Krankenkassenkarte und vielleicht eine Kundenkarte. Genau das soll es künftig auch als App auf dem Handy geben. Der offizielle Name ist EUDI-Wallet (gesprochen: „E-U-Di-Wollet“). „Wallet“ ist einfach das englische Wort für Geldbörse.

Die Idee dahinter: Wenn Sie sich im Internet ausweisen müssen – etwa bei einem Behördengang oder beim Eröffnen eines Bankkontos – halten Sie nicht mehr Ihren Ausweis in die Kamera, sondern bestätigen das mit einem Fingertipp in der App.

Das Praktische daran ist, dass Sie nur das preisgeben, was wirklich nötig ist. Wenn ein Anbieter nur wissen muss, ob Sie über 18 sind, bekommt er auch nur diese eine Antwort – und nicht Ihren Namen, Ihr Geburtsdatum und Ihre Adresse dazu.

Eine solche Karten-App kennen Sie vielleicht schon aus einem anderen Zusammenhang. Wie das mit Bezahl- und Kundenkarten funktioniert, habe ich im Tipp „Google Wallet App (#132)“ beschrieben. Der amtliche Ausweis ist gewissermaßen die nächste Stufe davon.

Deutschland: Start am 2. Januar 2027

Die Europäische Union hat beschlossen, dass jedes Land seinen Bürgern eine solche digitale Brieftasche anbieten muss. Deutschland hat dafür im Mai 2026 das nötige Gesetz auf den Weg gebracht, das Digitale-Identitäten-Gesetz.

Als Starttermin ist der 2. Januar 2027 angekündigt. Zunächst mit wenigen Funktionen – vor allem dem Ausweisen selbst. Weitere Nachweise sollen dann nach und nach dazukommen. Derzeit läuft die App noch in einer geschützten Testumgebung.

Wichtig: Die Nutzung ist freiwillig und kostenlos. Ihr Personalausweis aus Papier und Plastik bleibt gültig. Niemand muss ein Smartphone besitzen, um weiterhin zum Amt gehen zu können. Wer es nicht möchte, macht einfach alles so weiter wie bisher.

Das können Sie schon heute nutzen

Etwas Ähnliches gibt es in Deutschland nämlich längst: die Online-Ausweisfunktion Ihres Personalausweises. Jeder Ausweis, der nach 2010 ausgestellt wurde, hat einen kleinen Chip eingebaut. Damit können Sie sich schon jetzt im Internet ausweisen – mit der kostenlosen App AusweisApp und Ihrer sechsstelligen PIN.

Diese Technik ist auch die Grundlage der künftigen digitalen Brieftasche. Wenn Sie also Ihre Ausweis-PIN heute schon kennen und griffbereit haben, sind Sie gut vorbereitet.

Tipp: Sie wissen nicht mehr, ob Sie je eine PIN bekommen haben? Diese kam damals per Brief mit dem Ausweis. Ist der Brief verschollen, können Sie im Bürgeramt kostenlos eine neue PIN setzen lassen. Wie Sie dort online einen Termin bekommen, erkläre ich im Tipp „Bürgeramt Termine Online (#210)„.

Österreich ist uns weit voraus

Falls Sie Verwandte in Österreich haben: Dort ist vieles davon schon Alltag. Grundlage ist die ID Austria, dazu gibt es die App eAusweise. Sie wurde bereits über zwei Millionen Mal heruntergeladen.

Darin stecken heute schon:

  • der digitale Führerschein
  • der digitale Zulassungsschein für das Auto
  • ein digitaler Altersnachweis
  • ein digitaler Identitätsnachweis

Bei einer Verkehrskontrolle zeigt man der Polizei einfach einen QR-Code auf dem Handy. Österreich gilt in Europa als Vorreiter – die dortige Lösung erfüllt die europäischen Anforderungen bereits weitgehend und soll in die EU-Brieftasche übergehen.

Die Schweiz: die E-ID kommt im Dezember

Die Schweiz gehört nicht zur EU und geht deshalb einen eigenen Weg. Dort hat das Stimmvolk im September 2025 über die E-ID abgestimmt – mit einem hauchdünnen Ja von 50,4 Prozent. Knapper geht es kaum.

Die App heißt Swiyu (gesprochen: „Swi-juu“) und wird vom Bund betrieben. Nach jetzigem Stand soll die E-ID zum 1. Dezember 2026 verfügbar sein. Beantragt wird sie direkt in der App: Man scannt seinen Ausweis ein und nimmt eine kurze Videoaufnahme des Gesichts auf. Wer das nicht möchte, kann die Prüfung auch persönlich im Passbüro machen lassen.

Auch in der Schweiz gilt: Die E-ID ist kostenlos und freiwillig. Das Gesetz schreibt sogar ausdrücklich vor, dass alles auch weiterhin ohne E-ID möglich sein muss.

Und wenn das Handy verloren geht?

Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird – und sie ist berechtigt.

Keine Sorge: Die Ausweisdaten liegen verschlüsselt auf Ihrem Handy, nicht offen sichtbar. Wer Ihr Gerät findet, müsste es erst entsperren und dann noch die zusätzlich gesicherte App öffnen. Und selbstverständlich lässt sich ein digitaler Ausweis sperren, genau wie eine Bankkarte.

Trotzdem mein dringender Rat: Wer solche Dokumente auf dem Handy hat, sollte sein Gerät unbedingt mit PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung schützen. Und ein Ratschlag, den ich nicht oft genug wiederholen kann: Sichern Sie auch Ihre Konten zusätzlich ab, wie im Tipp „So sichern Sie sich ab (Auch bei WhatsApp) (#160)“ beschrieben.

Vorsicht: Betrüger werden das Thema nutzen

Wichtig: Sobald ein solches Thema in den Nachrichten ist, tauchen erfahrungsgemäß gefälschte E-Mails und SMS auf. Etwa mit dem Text: „Ihr digitaler Ausweis muss jetzt freigeschaltet werden – klicken Sie hier.“

Klicken Sie auf solche Nachrichten niemals. Amtliche Stellen fordern Sie nicht per E-Mail auf, Ausweisdaten einzugeben. Die echten Apps finden Sie nur im offiziellen App-Store Ihres Handys. Woran Sie Betrugsversuche erkennen, habe ich in „Fake Shops erkennen (#339)“ und „Achtung Enkeltrick (#334)“ beschrieben.

Kurz zusammengefasst

In Deutschland startet die digitale Brieftasche am 2. Januar 2027, in der Schweiz die E-ID zum 1. Dezember 2026, und in Österreich ist der digitale Führerschein längst im Einsatz. Überall gilt: freiwillig, kostenlos, und der Ausweis aus der Geldbörse behält seine Gültigkeit.

Sie müssen also heute nichts tun. Wenn Sie sich trotzdem vorbereiten möchten, dann suchen Sie einmal den Brief mit der PIN zu Ihrem Personalausweis heraus. Und keine Angst: Wenn es so weit ist, gehen wir die Einrichtung hier gemeinsam Schritt für Schritt durch.

Hat Ihnen der Wochentipp gefallen?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie uns bei unserem Projekt unterstützen würden. Jede Spende, egal wie groß oder klein, hilft mir, unsere Serverlaufzeiten aufrechtzuerhalten und die Kosten für den Betrieb des Projekts zu decken. Wenn Sie mir helfen möchten, können Sie gerne auf das folgende Konto spenden:

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Betreff: Senioren App

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Ansonsten unterstützen Sie die App sehr, mit einer 5-Sterne-Bewertung im Google Play Store. Das können Sie hier tun.

Vielen vielen Dank!

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Schicken Sie einfach eine E-Mail an app@jonahhadt.de oder treten Sie der WhatsApp-Gruppe „Senioren mit Smartphone“ (hier klicken) oder der Signal-Gruppe (hier klicken) bei. Ich würde mich auch sehr über eine 5-Sterne-Bewertung im Google Play Store freuen, damit Sie das Projekt kostenlos unterstützen können (hier klicken). Herzlichen Dank dafür! Vielen Dank an alle!

Bis nächste Woche und viel Spaß mit den neuen Möglichkeiten. Der nächste Tipp der Woche erscheint am kommenden Sonntag, den 16.08.2026 um 12 Uhr. Bleiben Sie gesund und mit freundlichen Grüßen Jonah

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